Die Festung in der Nähe von Spandau beeindruckt schon durch Größe: Über 3,50 m dick sind die Außenmauern, sie umschließen eine Fläche etwa so groß wie fünf Fußballfelder. Kernstück der Zitadelle, die rundum von Wasser umgeben ist, ist eine in Resten noch vorhandene Burg. Diese symmetrische Anlage, eine der am besten erhaltenen Festungen der Renaissance, diente einst der Verteidigung der weit entfernten Hollenzollern-Residenz Berlin.
Aus der Verteidigungs- ist ein Kulturinsel geworden. Hier begeistern im Sommer Größen der Popmusik wie Robbie Williams Open Air rund 10.000 Besucher*innen. Und etwa ebenso viele Fledermäuse finden im Winter Unterkunft in den Kasematten, der Fledermauskeller beherbergt ein Schaugehege mit 200 Arten. Man kann auf den Juliusturm steigen, das älteste nichtkirchliche Gebäude von Berlin. Oder – wie wir – im Gotischen Saal ein Konzert hören. Jüngste Attraktion ist die Dauerausstellung „Enthüllt“. Hier werden Denkmäler und Statuen aus Berlin gezeigt, die einst das Stadtbild prägten, nach politischen Umbrüchen aber entfernt wurden – Lenins Riesenkopf von dem ehemaligen Denkmal nahe der Karl-Marx-Allee ist auch dabei.
Dabei gehört Spandau noch gar nicht so lange zu Berlin. Als 1920 der preußische Landtag mit knapper Mehrheit Groß-Berlin gründete und unter anderem sieben selbstständige Städte eingemeindete, hatten die Spandauer*innen so ihre Zweifel an der Zughörigkeit zu dem 3,9-Millionen-Moloch. Und was ein gestandener Spandauer ist, meint noch heute eher Spandau als Berlin, wenn er in die „Stadt“ fährt. Übrigens: Rudolf Hess und andere Nazigrößen saßen nicht in der Zitadelle, sondern im Spandauer Kriegsverbrechergefängnis der Alliierten.
Sonntag, 11. Oktober 2026, 16 Uhr
Die Musiker*innen
Freytag-Trio
Helene, Wilhelmine und Albrecht Freytag
Werke
Beethoven, Debussy, Mendelssohn Bartholdy
Anschrift
Am Juliusturm 64, 13599 Berlin
Führung
14.30 Uhr
Die Plätze sind begrenzt. Hier können Sie vorab Ihre Tickets reservieren.